Plastik oder Papier? Plastik wird immer öfter durch Papierverpackungen ersetzt. Doch ist das wirklich besser? Nachstehen ein kritischer Blick auf die Plastikalternativen.

Warum ist Plastik schlecht?

Die durchschnittliche Plastiktüte ist 25 Minuten lang in Gebrauch, bevor sie wieder weggeworfen wird.  Je nach Plastikart dauert es dann zwischen 100 und 500 Jahren, bis sich eine Plastiktüte aufgelöst hat. Plastik besteht zu einem Großteil aus Erdöl eine endliche Ressource, die nicht mehr ewig vorhanden sein wird und sich nur sehr langsam zersetzt. So ist es nicht nur der problematische Rohstoff Polyethylen (PE) sondern auch die schier endlose Lebensdauer die Plastik so schädlich macht. Durch die langsame Zersetzung und die mittlerweile nahezu flächendeckende Verteilung, ist Plastik tatsächlich in „aller Munde“.

Plastikflaschen, kaputte Schuhe am Strand
Plastikflaschen, kaputte Schuhe am Strand

Alternative Papier

Aufgrund der, vor allem in letzter Zeit, starken Medienberichterstattung und Bewusstseinserhöhung verzichten immer mehr Menschen auf Plastikprodukte und das altbekannte Plastiksackerl. Als Alternative wird nun häufig Papier eingesetzt, egal ob als Verpackung oder als Transportmittel wie Papiersackerl. Doch ist das Papiersackerl wirklich besser?

Im ersten Moment würde wahrscheinlich jeder Ja sagen. Denn Papier ist ein natürlicherer Stoff, kann recycelt und auch kompostiert werden. Doch bei genauerer Betrachtung muss ich leider festhalten, dass Papier vor allem in der Herstellung doppelt so viel Energie benötigt wie Plastik. Hinzu kommt die deutlich höhere Belastung von Luft und Wasser durch Stickoxide, Schwefeldioxide und andere Chemikalien, mit denen die Zellstofffasern behandelt werden müssen. Papier ist außerdem sperriger und schwerer beim Transport. Außerdem werden Großteils Holzfrischfasern verwendet und so unzählige Bäume gerodet. Um den Energie- und Rohstoffaufwand zu rechtfertigen, müssten Papiertüten mehrfach genutzt werden, was jedoch kaum der Fall ist.

Man sollte abwägen, welche Verpackung insgesamt die wenigsten schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt hat, angefangen bei den Rohmaterialien über die Schiffsemissionen bis zu Giftigkeit und Müll und Zersetzung.

Was ist nun mit Baumwolle?

Dann käme da noch das dritte Material – vor allem bei Taschen – Baumwolle! Auch diese sind nicht automatisch umweltfreundlicher.  Grund sind die hohen Emissionswerte bei der Herstellung von Baumwolltaschen. Während bei der Herstellung einer Papiertüte etwa 60 Gramm Kohlendioxid ausgestoßen werden, sind es bei einer Plastiktüte aus Neugranulat etwa 120 Gramm und bei einer Baumwolltasche sogar 1.700 Gramm CO2. Sie werden erst umweltfreundlicher nach einer mehrmaligen Nutzung, bei Baumwolltaschen sind das ca. 30 Mal. Weiters sollte sie wenn möglich aus BIO Baumwolle und fairen Arbeitsbedingungen entstanden sein, da gerade auf Baumwollplantagen menschenunwürdige Arbeitsverhältnisse herrschen. 

Vielleicht kommt dem einen oder anderen jetzt noch das aktuell stark verbreitete BioPlastik in Sinn. Theoretisch wäre diese sogar kompostierbar. Leider nur theoretisch. Die modernen Kompostanlagen brauchen drei bis vier Wochen bis aus den Bioabfällen Humus wird. Die kompostierbaren Materialen benötigen allerdings 3 bis 4 Monate! So bleiben Plastikreste übrig und werden mit dem Humus wieder verteilt. Um diesem Problem zu entgehen werden die Tüten davor aussortiert, was wiederum mit einem hohen Aufwand verbunden ist.

Nachhaltige Jausebox beim Wandern
Nachhaltige Jausebox beim Wandern

Papier oder Plastik? Was ist nun wirklich besser?

Wie du siehst ist die Auswahl des richtigen Materials gar nicht so einfach. Es kommt auch tatsächlich immer auf den jeweiligen Zweck an. Am besten nutzt du einfach bereits einen bestehenden Baumwollsack oder Jutebeutel (du hast sicher genügend zu Hause) und verzichtest weitgehend auf Plastik und Papiertüten. Für Verpackung trifft das gleiche zu, wenn möglich auf Mehrweg– und wiederverwendbare Behälter setzen. Papier ist nicht automatisch besser wie Plastik, auch wenn das gerade nur schwer vorstellbar ist! Es geht nicht darum, das eine Produkt durch das andere zu ersetzen, sondern eine andere Lösung dafür zu finden! Das ist meine Meinung zu diesem Thema. Was denkst du?