Unser Einkaufswagen ist unser Stimmzettel

Viel zu oft sind wir der Ansicht, dass wir als Einzelperson nichts ändern können. Doch gerade bei der Ernährung und bei unserem Konsumverhalten können wir jedes Mal aufs Neue wählen. Unser Einkaufsverhalten ist wie ein Stimmzettel. Wir haben bei jedem Einkauf die Wahl, wem wir unsere Stimme geben möchten.
Es gibt kaum eine wichtigere und grundlegendere Möglichkeit, etwas zu verändern, als die normale Einkaufsroutine zu hinterfragen und eine nachhaltige Ernährung anzustreben.

 

Wusstest du, dass unsere Ernährung weltweit für etwa 25 Prozent der CO2 Ausschüttung verantwortlich ist?

Nachhaltige Ernährung

Eine nachhaltige Einkaufsvariante bedeutet, dass unsere Bedürfnisse befriedigt werden, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen um die selben zu bringen. Im Moment trägt unser Verhalten wenig dazu bei. Wir konsumieren zu viel Fisch, Fleisch und zu stark verarbeitete Lebensmittel.  Die Arbeitsbedingungen in der Lebensmittelindustrie sind schlecht und der Preis für die Nahrung entspricht bei weiten nicht den tatsächlichen Kosten für Umwelt und Gesellschaft.

Um die Auswirkungen und Möglichkeiten einer nachhaltigen Ernährung besser dazustellen, habe ich Mithilfe einschlägiger Literatur folgende Punkte ausgearbeitet. Sie sollen dir helfen, dein Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen.

1. Regionalität und Saisonalität

Die Lebensmitteltransporte haben sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt, da wir immer mehr Lebensmittel importieren und auf exotische Alternativen zurückgreifen.

Durch den Konsum von ausschließlich heimischen Obst und Gemüse, könnten wir die fast ¼ aller CO2 Emissionen einsparen.

In dem du auf die Herkunft und die Saisonalität von deinen Einkäufen achtest, schonst du die Umwelt. Es entstehen keine langen Transportwege und durch die passende Jahreszeit müssen keine Nahrungsmittel gekühlt oder im beheizten Gewächshaus gezüchtet werden. Somit entstehen weniger CO2 Emissionen. Weiters unterstützt du durch den Kauf von regionalen Produkten heimische Produzenten und sicherst heimische Arbeitsplätze.

Obst und Gemüse, dass vor Ort fertig reifen darf schmeckt auch intensiver! Durch den fertigen Reifeprozess sind alle Vitamine und sekundären Pflanzestoffe in der Nahrung und sind so um einiges gesünder als importierte Lebensmittel.

Folgender Saisonkalender zeigt dir, wann welches Obst und Gemüse bei uns wächst.

Saisonkalender Obst und Gemüse

Saisonkalender Obst und Gemüse

Hier kannst du den Saisonkalender auch bestellen.

2. Nachhaltige Landwirtschaft

Durch die konventionelle Landwirtschaft gelangen chemisch-synthetische Dünger, Pestizide und Unkrautvernichtungsmittel ins Wasser, in den Boden und die Luft und schädigen so Tiere und Pflanzen.  Monokulturen, bei denen nur eine einzige Pflanzenart über Jahre angebaut wird, haben ebenso erhebliche negative Auswirkungen auf die Ackerböden sowie die Artenvielfalt. Aufgrund der dichten Bepflanzung und daraus höherer Anfälligkeit von Krankheiten und Nährstoffarmut ist einer sehr hoher Einsatz von Düngemittel und Pestiziden erforderlich.

Eine nachhaltige Landwirtschaft arbeitet mit organischen Düngern wie Humus, Kompost, Wolle oder Hornspänen.  Gegen Schädlinge werden anstatt Pestiziden Nützlinge wie Marienkäfer eingesetzt. Die Artenvielfalt ist bei Bioflächen größer und differenzierter. Es werden oft Wildpflanzen zwischen Baumreihen gepflanzt. Dies lockt nützliche Insekten und Vögel an und macht den Boden wieder fruchtbarer und nährstoffreicher.

Wenn es dir irgendwie möglich ist, nutze deine Stimme beim Einkaufen und unterstütze eine nachhaltige Landwirtschaft in Form von Bioprodukten.

Damit du dich im Biojungle auskennst, hier eine Darstellung von Elle Republic über die verschiedenen Gütesiegel.

Bio Siegel Bedeutung

Bio Siegel Bedeutung

3. Ernährungsweise 

Ein wesentlicher Anteil auf den Co2 Ausstoß unserer Ernährung hat die Konsumation von Tierprodukten. Fleisch macht zwar nur 9 Prozent unserer gesamten Ernährung aus, verursacht aber fast 50 Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgas-Emissionen.

Gemüse verursacht deutlich weniger Emissionen als Fleisch und Tierprodukte wie Milch und Käse. Jeder Deutsche verspeist in seinem Leben durchschnittlich 1.094 Tiere:

  • 4 Rinder
  • 4 Schafe
  • 12 Gänse
  • 37 Enten
  • 46 Schweine
  • 46 Puten
  • 945 Hühner.

Hier findest du einen interessanten Fleischrechner, der dir zeigt welche Auswirkungen deine konkrete Ernährungsweise hat und was eine Änderung bringen könnte.

Um das ganze nochmals bildlicher darzustellen, habe ich eine interessante Tabelle mit den Effekten der Herstellung angefügt. Die Skizze zeigt dir die Auswirkungen, dargestellt in gefahrenen Autokilometern, deutlich.

4. Unabhängigkeit von großen Konzernen

Wusstest du, dass in Deutschland nur 5 Handelskonzerne (Schwarz-Gruppe, Aldi, Edeka, Rewe und Metro) den Lebensmittelmarkt bestimmen?

Diese Marktführer kontrollieren nicht nur große Marktanteile, sondern haben dadurch auch Macht über die Produzenten. Sie drücken den Preis und sorgen so dafür, dass viele kleine Lieferanten in finanzielle Schwierigkeiten gelangen.

Achte beim Einkaufen auf faire Arbeitsbedinungen und kaufe wenn möglich bei kleinen, unabhängigen Läden und Marken. So leistet du einen Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit und hilft kleinen Produzenten besser ihren tatsächlichen Preis zu bekommen.

Übersicht Konzerne

Übersicht Konzerne

 

5. Achte auf deine Gesundheit

Du bist, was du isst.

Wir können durch unsere Ernährung sowohl gute wie auch schlechte Auswirkungen auf unser Leben bewirken. Viele Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen hängen oft in direktem Zusammenhang mit unserer Ernährung. Ich werde hier nicht die Auswirkungen der Ernährung auf unsere Gesundheit erläutern, möchte aber dennoch kurz erläutern wie wir diese als weiteren Stimmzettel nutzen können.

Für Lebensmittelunternehmen ist es wichtig, viel zu verkaufen. Um dies zu ermöglichen, werden bearbeitete Nahrungsmittel oft mit anregenden Stoffen versetzt um den Absatz zu steigern. Die Lebensmittel schmecken aufgrund von Zucker und Fett sehr gut und regen an mehr zu essen, d.h. auch mehr zu kaufen. Jeder kennt die Wirkung von einer offenen Packung Chips oder Süßigkeiten, die selten wieder geschlossen wird.

Um positive Auswirkungen auf die Gesundheit erzielen zu können, ist es notwendig auf möglichst unverarbeitete Lebensmittel zurückzugreifen. Kaufe regional und saisonal ein, koche selbst und befasse dich mit deiner Ernährung. Schau dir die verwendeten Zusatzstoffe in Fertiggerichten und hinterfrage sie kritisch. Nimm dir Zeit beim Essen und genieße jeden Bissen, anstatt hastig zwischen Tür und Angel ein Brötchen zu essen. So bekommt deine Ernährung wieder mehr Bedeutung und deine Bewusstsein dafür wird gestärkt.

 

Wie du siehst, hast du mit der Wahl deiner Lebensmittel durchaus die Macht, Dinge zu ändern. Oft liegt es nur an unserer Unwissenheit und Bequemlichkeit, dass so viel Leid auf der Welt entsteht. Investiere etwas Zeit und macht dir die Auswirkungen deiner Essgewohnheiten bewusst und du wirst bald positiv die Welt verändern.