Zero Waste, oder besser gesagt less waste, ist kein Schritt, den man von heute auf morgen geht. Less Waste bzw. ein nachhaltigeres Leben ist eine meist, langsame aber nachhaltige Änderung der Lebenseinstellung.

Ich habe schon oft beschrieben, dass ich zuerst im Badezimmer angefangen habe und dann schrittweise auch in anderen Lebensbereichen umgestellt habe. Manche Sachen funktionieren sehr einfach, wieder andere waren etwas aufwändiger in der Umstellung. Es gibt sicher kein Allround-Konzept, für jeden ist die Umstellung sicher eine andere Erfahrung. Nachstehend habe ich dir ein einfaches, zum Nachdenken anregendes Zero Waste ABC mit nützlichen Tipps und Tricks zusammengestellt. Natürlich in alphabetischer Reihenfolge. 

A wie Ablehnen

In den 5 Rvon Zero Waste habe ich bereits darüber geschrieben. Durch das Ablehnen von unnötigen Sachen wie zB. billige Werbegeschenke (der 100ste Kugelschreiber), Einwegverpackungen, Papierservietten etc. , bringt man von vornherein weniger Müll nach Hause. Je weniger wir konsumieren bzw. nachfragen, umso weniger muss produziert werden!

B wie Bio-Lebensmittel 

Durch die konventionelle Landwirtschaft gelangen chemisch-synthetische Dünger, Pestizide und Unkrautvernichtungsmittel ins Wasser, in den Boden und die Luft und schädigen so Tiere und Pflanzen.  Monokulturen, bei denen nur eine einzige Pflanzenart über Jahre angebaut wird, haben ebenso erhebliche negative Auswirkungen auf die Ackerböden sowie die Artenvielfalt. Aufgrund der dichten Bepflanzung und daraus höherer Anfälligkeit von Krankheiten und Nährstoffarmut ist einer sehr hoher Einsatz von Düngemittel und Pestiziden erforderlich.

Eine nachhaltige Landwirtschaft arbeitet mit organischen Düngern wie Humus, Kompost, Wolle oder Hornspänen.  Gegen Schädlinge werden anstatt Pestiziden Nützlinge wie Marienkäfer eingesetzt. Die Artenvielfalt ist bei Bioflächen größer und differenzierter. Es werden oft Wildpflanzen zwischen Baumreihen gepflanzt. Dies lockt nützliche Insekten und Vögel an und macht den Boden wieder fruchtbarer und nährstoffreicher.

Wenn es dir irgendwie möglich ist, nutze deine Stimme beim Einkaufen und unterstütze eine nachhaltige Landwirtschaft in Form von Bioprodukten.

Bio Siegel Bedeutung
Bio Siegel Bedeutung

C wie Car Sharing

Falls du kein eigenes Auto hast, aber dennoch gerne Mobiler wärst, kann ich dir Car-Sharing ans Herz legen. Es gbt mittlerweile immer mehr Initiativen, die auch in sehr ländlichen Gegenenden Car Sharing anbieten. Du sparst dir nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch die Versicherungen und Reparaturen. 

D wie Denttabs 

Denttabs, Zahnputztabletten sind mein absoluter Favorit für unverpackte Zahnpflege. Alternativ kannst du Zahnpasta auch selber machen. Genauso wie Mundspülung

E wie Essig und Öl

Mein Badezimmer ähnelt mittlerweile stark meiner Küche. Apfelessig, Kokos- und Arganöl, Natron und Kaffeesatz. Unglaublich wie vielseitig wir viele Dingen verwenden können. Es braucht definitive keine chemischen Cremes, viele einfache Küchenartikel und Hausmittelchen bringen auch schon viel. Dadurch spart man nicht nur jede Menge Müll sondern auch tatsächlich bares Geld. 

F wie frisch Kochen 

Ich liebe es meine Mahlzeiten frisch zu kochen. Kochen ist für mich meine Meditation, es gibt fast nichts schöneres für mich als in den Kühlschrank zu schauen, das frische Gemüse zu begutachten und zu überlegen was ich als nächstes daraus zaubern kann. Frisch bzw. selber Kochen spart so viel Müll, lässt uns das Essen wieder mehr schätzen und das Bewusstsein für Lebensmittel steigern. Wann ist welches Gemüse regional? Wo wird es angebaut? Dieses Gefühl dafür bekomme ich vor allem durch das regelmäßige Verarbeiten von frischen Lebensmitteln. 

G wie Geschirrspülmittel selber machen

Im Grunde werden nur drei Zutaten benötigt, Kernseife, Natron und Wasser. Je nach Geruchsbedarf kann man auch ein paar Tropfen ätherisches Öl hinzugeben.

Im Wasser gelöste Kernseife ist ein mildes, pflanzliches Tensid und sorgt dafür, dass das Spülmittel später dickflüssig wird. Sie reinigt außerdem gut und ist ein ausgezeichneter Fettlöser. Natron löst ebenfalls Fett, macht das Wasser weicher und verhindert so Kalkrückstände. Das ätherische Öl gibt dem Mittel einen angenehmen Duft.

H wie Haare waschen 

Wer im Badezimmer auf Plastikverzichten möchte, kommt an einer Alternative für herkömmliches Shampoo nicht vorbei. Es gibt in diesem Bereich tatsächlich schon sehr viele, verpackungsfreie Möglichkeiten. Haarseife und festes Shampoo sind hierfür die gängigsten Möglichkeiten. Die zwei Varianten habe ich dir hier ausführlich vorgestellt.

Haarseife und festes Haarshampoo gibt es in allen möglichen Alternativen
Haarseife und festes Haarshampoo gibt es in allen möglichen Alternativen

I wie Internet

Wie fast alles im Leben hat auch die Digitalisierung zwei Seiten. Man spart zwar Unmengen an Papier, aber leider benötigt die Digitalisierung auch sehr viel Strom und andere Ressourcen für die Herstellung und Entsorgung der Geräte! So kommt es, dass der Energieverbrauch im Verlauf der Digitalisierung nicht wie von vielen vermutet ab- sondern zunimmt. 

10 Minuten HD-Streaming auf dem Smartphone verbraucht etwa gleich viel Energie wie ein Herd, der 5 Minuten auf voller Energie läuft. Wenn man diesen Wert hochrechnet, sind digitale Technologien für ca. 4 Prozent des aktuellen Emissionsausstoßes verantwortlich, wohingegen es der Flugverkehr von 2018 auf gerade einmal 2 Prozent bringt. Abhängig von den gewählten Parametern könnte der Energieverbrauch des Digitalsektors bis 2025 auf 8% steigen. Somit läge er über dem von Autos und Motorrädern.

J wie Jutebeutel

Zum Einkaufen verwende ich nur mehr Baumwoll- bzw. Jutebeutel. Ich nutze selbstgemachte Säckchen fürs Gemüse, fürs Brot und natürlich um die Lebensmittel nach Hause zu transportieren. 

K wie Kosmetikartikel

Im Badezimmer gibt es mittlerweile kaum mehr etwas das man nicht unverpackt oder im recyclebaren Glas bekommt. Festes Shampoo zum Haare waschen, Saure Rinse zum Ausspülen, Seife zum Körperwaschen, selbstgemachtes Kaffeepeeling für die Haut und selbstgemachte Bodybutter zum Eincremen. Zahnputztabs und selbstgemachte Mundspülung, Deo im Glas und Make-Up im recyclebaren Glas. Mein Badezimmer ist nahezu plastikfrei und das fühlt sich gut an! 

L wie Lebensmittelverwertung

Wer kennt es nicht? Wieder mal ein schimmeliger Aufstrich im Kühlschrank, eine abgelaufene Milch oder ein paar gammelige Äpfel. Wir leben im Überfluss und ein paar schlechte Nahrungsmittel tun den meisten nicht weh. Stell dir vor, jährlich wird ein Drittel der erzeugten Lebensmittel weggeworfen! Auf der anderen Seite hungern etwa eine Milliarde Menschen täglich. Wie um alles in der Welt kann es soweit kommen?

Durch das tägliche frisch Kochen, verwerte ich fast alle Lebensmittel zeitnah und versuche auch kaum Reste oder Abfall zu produzieren. Fast alles wird verwertet. 

M wie Mehrweg statt Einweg

Wiederverwenden anstatt Einwegwaren benutzen und kaputte Dinge einfach reparieren – so wie früher. Geht meist ganz einfach!

Umsetzungstipps zur Müllvermeidung:

  • Mehrwegbecher für Coffee to go
  • Wiederbefüllbare Trinkflasche
  • Wiederverwendbare Teebehälter für losen Tee anstatt Teebeutel
  • Stoffbeutel zum Einkaufen, Obst und Gemüse, Bäcker
  • Wattepads aus Stoff (selbstgemacht oder gekauft)
  • Stofftaschentücher
  • Baumwolllappen anstatt Küchenrolle
  • Bienenwachstücher – hier kannst du welche kaufen oder hier findest du Tipps zum Selber machen.
  • Deckel von Töpfen etc verwenden anstatt Alu- & Frischhaltefolie
  • Rasierhobel oder Elektrorasierer
  • Silikonbackform anstatt Muffinförmchen

N wie Natron

Natron ist mit Sicherheit eines der vielfältigsten und meist verwendeten Basiszutaten in meinem Haushalt. Es ist wasserlöslich, geruchsneutral, desinfizierend, fettlösend, sanft scheuernd und entkalkend, dazu ist es noch sehr günstig und hochwirksam! Ich nutze es fürs Deo, Gesichtspeeling, zum Waschen, etc..

P wie Plastikfrei

Plastikmüll als Bösewicht ist gerade in aller Munde, egal ob To-Go Becher Verzicht, Trinkhalmverbot oder Mikroplastik in Kosmetik. Doch nicht das Plastik verschmutzt die Natur, sondern der Mensch! Überall in der Natur treffen wir auf geschlossene Kreisläufe. Stoffe und Energien wandeln sich um und finden so eine Wiederverwendung, nichts verkommt. Der Abfall des einen ist die Nahrung des anderen.

Außer im menschlichen Haushalt. Wir sind die einzigen Lebewesen die tatsächlich Müll produzieren, der nicht mehr wieder verwertet wird. Unser Abfall ist zum Großteil hochgradig gefährlich, äußerst langlebig und wird ständig mehr. Laut einer Studie produziert jeder Deutsche im Jahr doppelt so viel Müll wie ein Japaner. Im Moment landen 6,4 Millionen Tonnen Müll jährlich im Meer. Und das obwohl Plastik –Produkte erst 1950 auf den Markt kam.

Q wie Qualität

“Geiz ist geil” ist nur einige der vielen Werbeslogans die wir die letzten Jahrzehnte regelmäßig gehört haben. Wir wurden auf Schnäppchen und billig einkaufen konditioniert. Ein Schnäppchen hier, ein „Bargain“ da. Wir kaufen ohne lange zu überlegen, einfach nur weil es billig ist. Doch oft wären wir billiger davon gekommen, wenn wir in Qualitativ hochwertigeres Produkt gekauft hätten, das für die Ewigkeit halt. 

R wie Regionalität

Die Lebensmitteltransporte haben sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt, da wir immer mehr Lebensmittel importieren und auf exotische Alternativen zurückgreifen.

In dem du auf die Herkunft und die Saisonalität von deinen Einkäufen achtest, schonst du die Umwelt. Es entstehen keine langen Transportwege und durch die passende Jahreszeit müssen keine Nahrungsmittel gekühlt oder im beheizten Gewächshaus gezüchtet werden. Somit entstehen weniger CO2 Emissionen. Weiters unterstützt du durch den Kauf von regionalen Produkten heimische Produzenten und sicherst heimische Arbeitsplätze.

S wie Second Hand

Bevor du etwas Neues brauchst, könntest du dich fragen ob es das eventuell auch Second Hand gibt? Brauchst du einen neuen Grill oder Laptop oder gibt es diesen auch gebraucht? Somit sparst du wertvolle Ressourcen für die Herstellung und Bares in der Geldtasche.

T wie Trinkwasser

Wenn immer möglich trinke ich Leitungswasser. Ich fülle es in meine wieder verwendbare Trinkflasche und nehme es mit. Gerne „pimpe“ ich mein Wasser auch mit frischer Minze aus dem Garten, Zitronenscheiben oder Gurken. Ich brauche kein modernes Zuckergetränk oder Wasser in der Plastikflasche. Leitungswasser ist bei uns so gut und noch dazu günstig. 

U wie Upcycling

Aus alten Tshirts Abschminkpads oder Geschirrtücher machen, gebrauchte Marmeladegläser zu Geschenksverpackungen umgestalten, alte Ölflaschen für die Mundspülung verwenden , aus Paletten Gartenmöbel basteln und mit alten Fensterläden Wände dekorieren: Pinterest ist voll mit tollen Ideen und Vorschlägen für das neue Trendthema “Upcycling” und das freut mich riesig. 

W wie Wiederverwendbar

Wiederverwenden anstatt Einwegwaren benutzen und kaputte Dinge einfach reparieren – so wie früher. Geht meist ganz einfach!

Z wie Zero Waste

Zero Waste ist ein Modell der absoluten Müllvermeidung. Ein gängiger Ansatz sind die 5 R’s. Die 5 R’s der Nachhaltigkeit von Müllvermeidung von Bea Johnson lassen sich wie folgt kurz zusammenfassen.

  1. Refuse – ablehnen
  2. Reduce – reduzieren
  3. Reuse – wiederverwenden und reparieren
  4. Recycle – zur Wertstoffsammlung bringen
  5. Rot – kompostieren
Die 5 R von Bea Johnson
Die 5 R von Bea Johnson

Die genauere Beschreibung dazu findest du hier

Das Ganze finde ich eine tolle Inspiration, komplett umsetzen ist schwierig. Ich finde es geht auch nicht darum, dass es eine Handvoll Menschen perfekt machen, sondern vielmehr dass es die Große Menge an Menschen unperfekt perfekt macht und einfach startet. Zero Waste soll nicht abschrecken sondern ermutigen und inspirieren.

Das war mein Zero Waste ABC. Wie du sicher festgestellt hast, fehlen mir noch ein paar Buchstaben! Falls du dafür eine Idee hast oder andere tolle Inspirationen freu ich mich sehr von dir zu hören!